Trauerfeier an der Luftkriegsschule 1 Dresden - Klotzsche

Foto aus dem Jahr 1936

Auf dem Foto ist eine Trauer-Zeremonie zu erkennen. Zwei Schulflugzeuge vom Typ Focke-Wulf Fw 56 „Stößer“ waren in einem Hangar der Luftkriegsschule 1 für die Trauerfeier aufgestellt worden. Im Hintergrund stehen aufgereiht Heinkel He 45 Flugzeuge, die ebenfalls für Schulungszwecke genutzt wurden. Verdeckt von der Fw 56 mit dem Kennzeichen S3+K02 ist der Sarg mit der Trauerformation zu erkennen.

Der Tote in dem Sarg war vermutlich der erste Generalstabschef der deutschen Luftwaffe Walther Wever. Es ist jedoch auch nicht ausgeschlossen, dass sich im Sarg eines der vielen Unfallopfer im Ausbildungsbetrieb der Pilotenschule befand.

Am 3. Juni 1936 war der Generalleutnant Walther Wever in Eile mit einer Heinkel He 70 „Blitz“ vom Flugplatz Dresden-Klotzsche gestartet, nachdem er die dortige Luftkriegsschule 1 inspiziert hatte. Selbst am Steuer sitzend und hatte er vor dem Flug vergessen die Querruder des Flugzeuges zu entriegeln. Mit diesen Rudern an den Enden der Tragflächen wird bis heute die seitliche Schräglage des Flugzeuges gesteuert und korrigiert. Kurz nach dem Abheben geriet Wevers Maschine in etwa 60 Meter Höhe durch eine Windböe in Schräglage, die er aufgrund des arretierten Ruders nicht mehr korrigieren konnte. Wever und sein Bordwart gerieten mit dem Flugzeug ins Trudeln und fanden beim Aufschlag den Tod.

Der Absturzort Flughafen Dresden-Klotzsche entstand Anfang der 1930er Jahre aus militärischen Planungen. Hitler und die Luftwaffenführung hatten ein starkes Interesse an einer schnellen Aufrüstung, nachdem 1935 offiziell die Luftwaffe gegründet worden war. Für sie wurden nicht nur Kriegsflugzeuge sondern auch viel neues Personal benötigt. Schon vorher hatte es an der Dresdner Offiziersschule spezielle Lehrgänge für künftige Luftwaffenoffiziere gegeben, die aufgrund des Verbotes einer Luftwaffe für das Deutsche Reich im Versailler Vertrag von 1919 im Verborgenen abliefen.

Aufgrund der geleisteten Vorarbeit an der Offiziersschule schien Dresden ein geeigneter Standort zu sein, weshalb der neue Flughafen Dresden-Klotzsche unter intensiver Einbeziehung des Militärs errichtet wurde. Wie wichtig der Standort Dresden in diesem Zusammenhang war, zeigt sich unter anderem darin, dass in Klotzsche die erste Luftkriegsschule des Deutschen Reiches gegründet wurde. An der Luftkriegsschule 1 wurden in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre viele Hundert Luftwaffenoffiziere ausgebildet.

Welche Bedeutung Dresden für die Luftkriegsführung des Deutschen Reiches hatte, wird in einem bebilderten Vortrag am 14.4.2014 durch den Historiker Jens Wehner in einem Vortrag im MHM näher untersucht werden.

Text: Jens Wehner M.A., Sachgebietsleiter Bildgut im MHM. Foto: MHM